Die junge Generation ist aufgewacht. Was früher nur den spießigen Vater interessiert hat, ist nun ein verbreitetes Thema auf den Universitäten und Schulhöfen der Republik. Es geht um Politik. Und während die Regierung eher verhalten auf diesen plötzlichen Zuwachs reagiert, klingeln bei den Influencern die Kassen.

Was für eine verkehrte Welt oder? Eine Generation, die mit dem ständigen Konsum unserer Zeit aufgewachsen ist, stellt sich plötzlich gegen die Wirtschaft und kämpft für eine bessere Welt. In den Augen der konservativen kann dies nur eines bedeuten. Manipulation. Manipulation durch das Internet, linke Extremisten und Großkonzerne. Ganz nach dem Konzept: “Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.” Zumindest ist dies der Eindruck, den man schnell verinnerlicht hat. Aber liegen sie damit wirklich so falsch? Ein Blick in Richtung der USA genügt, um zu erkennen, dass sich eine Wahl sehr wohl durch das Internet beeinflussen lässt. Laut einer Studie der Stanford Universität benutzten 2016 ca. 61% der Wahlberechtigten eine Social Media Plattform wie z. B. Facebook oder Twitter um ihre Nachrichten zu beziehen. Es zeigte sich auch, dass sich sog. “Fake-News” viel schneller verbreiteten als echte Nachrichten. Da sich diese Unwahrheiten meist gegen die Demokraten richteten, ist es nicht auszuschließen, dass der Ausgang der Wahl ausschlaggebend durch das Internet beeinflusst wurde.

Wenn ich ehrlich bin, würde ich mir als Politiker bei diesen Tatsachen auch Sorgen machen. Dass es bei den Fridays For Future Protesten aber nicht darum geht eine bestimmte Partei vom Thron zu stoßen, ist dabei schon längst Nebensache. Denn nicht nur diverse Aktivisten haben erkannt, dass es im modernen Zeitalter sehr einfach ist die jungen Menschen auf ihre Seite zu ziehen. Mit dem Hashtag #NieMehrCDU feierten einige deutsche YouTuber ihr öffentliches Debüt in der Politik. Sie setzten sich dabei gegen die CDU und ihre veralteten Werte in Sachen Netzpolitik und Klimaschutz zu wehr. Was eigentlich relativ friedlich begann, entwickelte sich schnell zu einer Social Media Schlammschlacht zwischen Parteimitgliedern und den Influencern. Was auf die Politik wie ein Angriff auf die Demokratie wirkt, ist den Jugendlichen aber nicht unbekannt. Im Zeitalter des Internets werden Auseinandersetzungen nämlich nicht mehr persönlich, sondern direkt vor den Augen der Fans ausgetragen. Ein einfacher Weg um mehr Aufmerksamkeit zu erregen und Zuschauer und Follower zu generieren. Und im Grunde ist diese Auseinandersetzung für mich nichts anderes als gewöhnlicher “YouTube Beef” auf Regierungsebene. Und was soll ich sagen. Die Influencer gewinnen. Durch jede falsche Anschuldigung, jedes lächerliche Argument und jeden Versuch der Situation Herr zu werden steuert sich die Regierung (und vor allem die CDU) weiter auf den Abgrund zu. Anstatt der Jugend Gehör zu schenken, schüren sie ironischerweise das Verhalten, dass schon 2016 die Wahl in den USA beeinflusst hat. Und die Influencer stopfen sich Mithilfe von reißerischen Titeln und skandalösen Behauptungen die Taschen voll.

Das kontroverse “Die Zerstörung der CDU” Video des YouTubers Rezo hat bisher ca. 15 Millionen Aufrufe gesammelt.

Und auch wenn ich grundsätzlich eher auf der Seite der Influencer stehe, schockiert mich das Verhalten beider Seiten. Die großen Parteien stellen sich scheinbar bis zur letzten Sekunde stur während die inoffiziellen Führer unserer Generation daran kapitalisieren. Auf der Strecke bleibt am Ende nur der kleine Mann der tatsächlich auf die Straße geht, um etwas zu verändern. Ich für meinen Teil kann euch nur dazu anhalten, euch immer eine eigene Meinung zu bilden. Seid kritisch und hinterfragt alles, was euch im Internet als Fakt präsentiert wird. Schließt euch nicht blind einer der Seiten an, sondern steht zu eurer eigenen Meinung! Nur so bleiben wir unabhängige Individuen.

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