Quelle: Cover

Als ich mich Ende letzten Jahres auf einer Gechäftsreise in Berlin wiederfand, stellte ich mich einem alt bekannten Problem. Was soll ich hören? Meine altbewährte Playlist langweilte mich schon seit mehreren Wochen und in den Neuerscheinungen tummelten sich nur (für mich) uninteressante Musiker. Also musste ich auf die Suche gehen. Auf die Suche nach einem passenden Soundtrack für meine Reise in die Hauptstadt des Landes und viel wichtiger, die Hauptstadt des Deutschraps. Nach kurzer Suche stieß ich, ironischerweise, auf das Album “Alles liebe nachträglich” des Rappers Fatoni und der Musikerin Mine. Ein Album, das nicht weiter von dem harten Berliner Straßenrap entfernt hätte sein können. Aber es gefiel mir. Es gefiel mir sogar so sehr, dass ich mir kurz darauf die frisch angekündigten Solo-Alben der beiden Künstler vorbestellte…

Der in München geborene Musiker verkörpert keineswegs den typischen Rapper. Im Gegensatz zu seinen Kollegen schmückt er sich nicht mit schmutzigen Hinterhofgeschäften oder außer Kontrolle geratenen Drogenexzessen. Stattdessen zeichnet er mit seinen Texten ein Bild des überforderten Durchschnitts Erwachsenen. Es geht um Zukunftsängste, Soziale Inkompetenz, Panikattacken und seine Netflix-Sucht. Was anfangs vielleicht etwas ungewohnt klingt, stellt sich schnell als sehr nachvollziehbar und teilweise sogar tröstend heraus.

Während man von anderen Musikern fast ausschließlich zu hören bekommt wie reich oder gutaussehend sie doch sind, berichtet Fatoni von Problemen, die jedem gewissermaßen bekannt vorkommen sollten. Vor allem die Tracks Alles zieht vorbei, Die Anderen, Digitales LebenAlles cool, Krieg ich alles nicht hin und Ich glaub mit mir stimmt was nicht schlagen genau in diese Kerbe und beweisen, dass wir doch nicht so allein mit unseren Problemen sind, wie wir vielleicht manchmal glauben.

Darüber hinaus kann Fatoni aber auch mit seinem intelligenten Wortwitz und Storytelling punkten. Tracks wie Mitch, D.I.E.T.E.R oder OK OK OK unterhalten gut und bilden einen schönen Kontrast zu der etwas selbstzerstörerischen Stimmung des Albums. Aber auch Fans des eher typischen Deutschraps kommen hier nicht zu kurz. Mit Burj Khalifa (feat. Casper) und Clint Eastwood bedient er fast alle Klischees des deutschen HipHop. Natürlich mit der nötigen Prise an Satire und Selbstironie.

“Andorra” spiegelt vielleicht nicht den Geschmack jedes HipHop Fans wider, bildet aber eine angenehme Brücke zwischen intelligenten Texten und eingängigen Beats, die nicht nur Genre-Veteranen sondern auch Neulinge durchaus ansprechen können. Ich persönlich kann es kaum abwarten das Album bei meiner nächsten Berlin Reise auf Dauerschleife laufen zu lassen und spreche euch daher eine klare Kaufempfehlung aus.

 

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein