Wenn man ein beliebigen Cineasten nach seinen all-time-favorite Regisseuren fragt, ist die Antwort, so nachvollziehbar diese Namen auch sein mögen, vorhersehbar. Es werden Namen in den Raum geworfen wie Quentin Tarantino, Stanley Kubrick oder Christopher Nolan. Diese Künstler sind bekannt dafür, Welten und Charaktere zu schaffen, die uns schlichtweg begeistern, die uns in ihren Bann ziehen. Charaktere, deren Namen man auch noch viele Jahre nach Erscheinen des Films kennt und bewundert. Spielberg mit Indiana Jones, Tarantino mit der Braut und den Vega Brüdern, Kubrick mit Alex und Hal 9000 oder ein Nolan, der sich an Batman austobt und diesem neuen Glanz verleiht. Einen Charakter diesen Status erreichen zu lassen ist ohne Frage eine Kunst. Eine Kunst, die in meinen Augen ein gewisser Regisseur mit vielen seiner Filme fast schon in die Perfektion getrieben hat, uns viele Klassiker beschert hat und dennoch zu sehr unterschätzt wird. John Hughes.

Zugegeben, selbstverständlich wird Hughes weltweit sehr geschätzt und ist den meisten Fans von Filmen ein Begriff. Nichtsdestotrotz spielt er trotzdem nur für die Wenigsten in der gleichen Liga wie in der von den eben genannten Regisseuren. Eine kurze Suche mit Google nach den “besten Regisseuren aller Zeiten!!1” bestätigte meine These.

Und auch ich bin ehrlich: Nicht alles was John Hughes fabriziert hat ist Gold. Ein Blick auf paar seiner Filme nach den 80ern genügt um das festzustellen. So sehr dies aber leider der Fall sein mag… Hughes hat dennoch oft bewiesen was für ein fähiger Regisseur und allen voran Drehbuchautor in ihm steckt. In den 1980ern fabrizierte er einen Klassiker nach dem anderen. Die Vacation Filme, Sixteen Candles, Breakfast Club, Ferris macht blau, Uncle Buck, Pretty in Pink, Ein Ticket für Zwei, nur um sich dann 1990 mit Kevin allein zu Haus noch selbst zu übertreffen.

Mit diesen Kultfilmen hat er sich zu der Zeit ein großen Namen gemacht. Die Filme waren zum Großteil kommerzielle Erfolge und auch heute erfreuen sich diese an sehr großer Beliebtheit. Da kann sich jetzt die Frage stellen, woran das liegt. Betrachtet man die Filme sehr oberflächlich wirken diese nicht mehr als einfache Teenie Komödien, dessen Handlung sich im einen Satz zusammenfassen lässt. Und ganz ehrlich, im Bezug auf die Handlung ist das oft der Fall. Diese scheuen sich selten davor stumpf zu sein, aber das tut rein gar nichts zur Sache. Denn die eine Sache, in welcher die Filme herausstechen sind die Charaktere. Wir alle kennen die üblichen Stereotypen aus Teenie Filmen. Die andere Kinder mobbende Sportskanone, der ausgeschlossene Streber, der sture Rebell, die reiche verzogene “Göre” und den Außenseiter. Diese Art von Charakteren wirkt auf keinste Weise wirklich clever und jeder der als Kind paar Folgen von beliebigen Nickelodeon Sitcoms a la iCarly gesehen hat kennt diese. Wenn wir aber jetzt Breakfast Club betrachten, der für Viele der beste John Hughes Film überhaupt ist, fällt auf:

Diese Stereotypen sind exakt unsere Protagonisten aus Breakfast Club. Und trotz dieser Tatsache haben sich diese Figuren in die Herzen von Vieler geschlossen, einfach weil Hughes genau wusste was er tut.

Er hat diese Klischees an Figuren genommen und auch so dargestellt, was im Intro auf grandiose Art inszeniert wurde, aber er ist direkt danach ein Schritt weitergegangen. Der Film entpuppte sich mit der Zeit als eine Charakterstudie der einzelnen Figuren. Plötzlich offenbarte sich, dass jede einzelne Figure voller Probleme und innerer Konflikte steckt. Uns wurden deren Ängste und Wünsche präsentiert. Diese jeweilige Rolle, welche jeder zu Beginn trug stellte sich als eine Fassade heraus, die mit der Zeit niedergerissen wurde. Die Charaktere wurden greifbar und der Zuschauer konnte sich in diese hineinversetzen. Alle 5 Protagonisten entwickelten sich innerhalb von 90 Minuten weiter. Man muss einfach die Tatsache bedenken, dass andere Filme mit längerer Screentime schon dabei scheitern auch nur eine einzige Figur richtig zu etablieren.

Ein anderes Beispiel für tolle Charaktere: Ferris Bueller’s Day OffAuch in diesem Film sind wieder dutzende Charaktere gegeben, aber bleiben wir mal bei zwei:

Unser namensgebende Held Ferris und sein bester Freund Cameron. Obwohl im Film oft klargemacht wird, dass die beiden wirklich Freunde sind, wirkt diese Freundschaft auf diesen Zuschauer oft suspekt. Beide könnten nicht gegensätzlicher sein. Ferris ist selbstbewusst, beliebt, furchtlos, während Cameron genau das Gegenteil ist. Hughes wendet gezielt beide Charaktere an um den Zuschauer auf zwei Ebenen zu berühren. Ferris stellt die Person dar, die wir gerne wären, die von sich selbst überzeugt ist und nie seine coole Art fallen lässt. Wir bewundern diese Figur, Ferris ist unser Held. Cameron allerdings, dem ein Misserfolg nach dem anderen widerfährt und sich häufig selbst hinterfragt, stellt uns dar. Den Zuschauer. Wir alle träumen davon was zu erreichen und geliebt zu werden. Und manchmal ziehen uns diese Bedürfnisse runter. In dieser Sache sind wir uns mit Cameron einig und wir fühlen mit ihm. Cameron wird somit als Hauptcharakter deklariert. 

Ein letztes und doch recht simples Beispiel. Kevin aus den beiden Kevin allein zu Haus Filmen (Bitte ignoriert die Filme nach Teil 2). Kevin allein zu Haus schmeißt den Zuschauer direkt ins Geschehen. Uns wird eine große Familie präsentiert mit Kevin als Protagonisten, der anfängt sich missverstanden und ungerecht behandelt zu fühlen. Wie es danach weitergeht wissen wir alle. Kevin allein gegen das vielleicht lustigste Schurken Duo überhaupt. Diese simple Prämisse hat gereicht um uns zu zeigen wie ein kleiner Junge wie jeder andere anfängt den Wert der Familie zu erkennen und zu schätzen. Ein Character arc, der nicht mehr relatable sein könnte und uns somit ein der spaßigsten und charmantesten Weihnachtsfilme aller Zeiten beschert hat.

Dies waren die drei bekanntesten Beispiele für die Art wie John Hughes seine Charaktere schreibt und in der Geschichte entwickeln lässt. Man könnte ausarten und auf jeden Film eingehen und jeden Charakter mit einbeziehen, da die besten seiner Filme sich der Bedeutung eines “schlechten Charakters” nicht bewusst sind. Hughes balanciert die Ebene zwischen dem Zuschauer und Figur im Film wie kaum ein anderer Regisseur/Autor mit einer Art, die sowohl simpel als auch komplex zugleich ist. Diese Art von Kunst macht John Hughes zu einem der besten und unterschätztesten Filmemacher. Nun lasst uns zusammen mit einem Ferrari durch die Stadt cruisen und dabei Don’t You Forget About Me von Simple Minds hören.

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