Unabhängig davon ob man in seinem Leben auch nur ein Godzilla Film gesehen hat oder nicht, uns allen ist die Echse in Übergröße, die gerne Japan in Schutt und Asche legt bekannt. Gefühlt keine Figur wird in der Popkultur öfter referenziert und mehr als 30 Spielfilme umfassen das Franchise. Zum Vergleich: James Bond und das Marvel Cinematic Universe sind aktuell noch davon entfernt 25 Filme zu erreichen. Nun mag der ein oder andere diese Beliebtheit hinterfragen, da Godzilla weder das Charisma eines James Bonds besitzt und schon gar nicht die Ausstrahlung eines Tony Starks.

“Godzilla ist doch nur ein dummer Dino der alles kaputt macht, das war’s.” Könnte der ein oder andere Tom Hardy Venom Fan jetzt meinen.
Das Witzige dabei ist, die hätten damit im Grunde sogar recht. Godzilla war ursprünglich nie dafür gedacht, eine komplexe Figur zu sein. Uns wird meistens lediglich ein übermächtiger Charakter präsentiert, welcher extrem cool aussieht und mit einem Laserstrahl Gebäude niederreißt, während wir Menschen, die im Vergleich fast schon erbärmlich wirken, alles dran versuchen dies zu verhindern. Zugegeben, dieses Konzept ist stumpf und der Gedanke, dass so etwas auf über 30 Filme gestreckt wurde fast schon undenkbar. Dem waren sich die Macher der Filme oft auch bewusst und um mehr aus dieser Prämisse zu machen, kamen dann schnell die durchgeknalltesten Ideen zustande. Zeitreisen, Mecha Kämpfe, Monster mit Kettensägen als Arme, Weltraumkämpfe und Godzilla bekam ein Kind: Godzilla Jr. Aber nun bleiben wir mal bei der Kernidee und kommen wir zur Begründung warum diese, ob man es glauben mag oder nicht, brillant ist. Dafür muss man lediglich den Kontext betrachten. Godzilla hatte sein Debüt 1954. Keine 10 Jahre nach dem 2. Weltkrieg und damit auch keine 10 Jahre nach den beiden Atombomben, welche auf Japan fielen und tiefe Narben hinterlassen haben. Einige Jahre später arbeitete die USA weiter an Atomwaffen und es kam versehentlich während eines Waffentests dazu, dass eine ganze japanische Bootsbesatzung verstrahlt wurde. Ganz Japan blieb traumatisiert und es wurde versucht dieses Trauma zu verarbeiten.

Nun betrachten wir die Handlung des ersten Godzilla Films:
Es beginnt damit, dass unser Titelheld ein Schiff nach dem anderen versenkt und schließlich ans Land kommt und weiterhin verheerenden Schaden anrichtet, wie man es auch nicht anders kennt. Wissenschaftler stellen dabei eine hohe radioaktive Strahlung fest, die von Godzilla ausgeht. Schnell wird klar: Godzillas Lebensraum in den Tiefen des Meeres wurde durch die diversen Nuklearwaffentests zerstört und dieser ist somit nur auf der Suche nach einer neuen Heimat. Godzilla gelangt somit in die Opferrolle bzw. wir, die Menschen, werden mit ihm gleichgestellt. Nun gehen wir 65 Jahre weiter. Godzilla: King of Monsters läuft in den Kinos an. Einer der wenigen Filme des Franchise, dessen Ursprung nicht aus Japan stammt. Ich ging mit wenigen Erwartungen in den Film rein. Alles was ich mir erhofft habe waren coole Kämpfe und im Prinzip war es das auch. Ich muss gestehen, ich wurde mit dieser Erwartung nicht enttäuscht, dennoch habe ich den Kinosaal mit schlechter Laune verlassen. Aber woran lag das? Da sich dies nicht begründen lässt, ohne zu spoilern:

ACHTUNG SPOILER!

Etwa gegen Mitte des Films stirbt Godzilla. Ja er stirbt. Und warum? Die Menschen beschossen ihn mit Raketen. Selbstverständlich weiß der Zuschauer, dass sich diese Prämisse nicht bis zum Ende halten wird und Godzilla durch irgendeinen Trick im Drehbuch wieder zum Leben gebracht wird. Und die Wege wie man so etwas umsetzten kann scheinen endlos. Wir reden hier schließlich über einen Film in dem Drachen mit drei Köpfen Blitze verschießen können. Da kann alles passieren. Und was für einen Weg gehen die Autoren? “Hey, Godzilla absorbiert doch Radioaktivität, lass doch eine Atombombe bei ihm zünden und ihn so wiederbeleben, damit er dann alle bösen Monster besiegen kann”

Eine Atombombe.

Der große Held, der am Ende des Films den Tag rettet, ist damit nicht Godzilla, sondern wirklich… eine Atombombe.

Godzilla entstand als eine Karikatur, eine Karikatur, welche die Absurdität von Atombomben darstellt und wie diese die Existenz des Menschen gefährden. King of Monsters hingegen lässt uns mit der Atombombe sympathisieren. Ich sah den Film und nur diese Szene blieb hängen. Ich habe eine Nacht drüber geschlafen und habe mir daraufhin den Godzilla Film aus 1954 angesehen und ich kann mit fester Überzeugung sagen: Die Autoren von King of Monsters haben diesen Film nicht gesehen bzw. die Grundlage, auf den jeder Godzilla Film basieren sollte einfach nicht verstanden. Letzteres bezweifle ich jedoch stark, denn der Film aus 1954 endet buchstäblich mit den Worten:

“Mit der Vernichtung des Godzilla ist die Gefahr für uns alle nicht aus der Welt geschafft. Wenn wir in maßloser Vermessenheit fortfahren die Atomkraft zu missbrauchen, kann es sein, dass Schlimmeres geweckt wird, kann es sein, dass größeres Unheil über uns hereinbricht als dieser Godzilla.”

In einem Godzilla Film mit dem Konzept der Atombombe zu experimentieren ist per se nichts verwerfliches, nur diese Grundidee so zu misshandeln zeugt von wenig Respekt und in diesem Falle wirkt dies sogar moralisch sehr verwerflich. Im Laufe der Handlung wirkte der Film stellenweise sogar so, als wäre das dem ein oder anderen Beteiligten des Films aufgefallen und man hat versucht zu erwidern, indem man aktuelle Weltprobleme wie Umweltverschmutzung und mögliche Überbevölkerung aufgegriffen hat, wenn auch sehr oberflächlich und ohne richtige Auflösung. Eine Message hat gefehlt, das gewisse Etwas, was einem Zuschauer gegeben werden sollte, wenn reale gesellschaftliche Probleme behandelt werden. Und das Wenige was bleibt, grenzt an eine freche Verharmlosung.

Nichtsdestotrotz ist Godzilla: King of Monsters ein banaler Blockbuster, der keinem wehtut und die meisten einfachen Kinogänger unterhalten dürfte. Die Effekte und der Soundtrack sind stellenweise großartig. Leider lässt sich dies nicht über den menschlichen Aspekt des Films sagen, aber Hand aufs Herz. Trotz dieses Ansatzes mit der Atomkraft schaut man nur die wenigsten Godzilla Filme wegen den Menschen. Godzilla ist an weiten Stellen nur Guilty Pleasure und den wird man hier bekommen.

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