An den beiden heißesten Tagen dieses Jahres habe ich die Freude, als Schauspieler an dem Kurzfilm eines guten Freundes mitzuwirken. Für Umme natürlich, das Ganze ist so Indie, dass sogar Jim Jarmusch unsere Filmcrew belächeln würde.

Unter uns sind drei Mediengestalter – einer gibt den Drehbuchautor und Regisseur, einer muss schauspielern, weil echte Schauspieler entweder keine Zeit haben oder für ihre Zeit bezahlt werden möchten, ein anderer führt ganz in seinem Element die Kamera. Mein bester Freund (der witzigerweise auch fast Mediengestalter geworden wäre) und ich (hab zumindest mal in Erwägung gezogen, die Ausbildung anzufangen) schauspielern ebenfalls.

Zusammen wollen wir eine Action-Sequenz auf die Beine stellen, dabei schaffen wir es kaum, uns selbst bei der erbarmungslosen Hitze aufzuraffen.

Wir drehen im Schrebergarten des Mediengestalters 2 bzw. Schauspielers 1. Praktischerweise hat er irgendwo sogar zwei derangierte Pavillons und eine Bierzeltgarnitur her, die wir an beiden Tagen mehrmals auf- und abbauen. Hier stellt unser Kameramann sein Equipment unter, lagert unser ehrgeiziger Regisseur unsere Verpflegung fürs aus eigener Tasche finanzierte Catering. Am ersten Tag gibt es nur Obst und Knabberzeug, am zweiten sogar Nudeln zum Aufgießen. Die Pavillons verschaffen Schutz vor der Sonne, während am Set alles vorbereitet wird oder wir zwischen den Takes Pause machen. Nach dem Dreh habe ich noch zwei Tage Muskelkater, glücklicherweise aber keinen Sonnenbrand. Meinen besten Freund hat es schlimmer erwischt: Er wurde Take um Take um Take immer wieder von mir mit einem Baseball-Schläger demoliert (aus Schaumstoff, aber mit Plexiglas-Kern). Am zweiten Tag ächzt er nur noch vor sich hin und schneidet dem Schmerz geschuldeldete, unwillkürliche Grimassen. Wir ringen innerhalb eines bestimmten Zeitfensters um den richtigen Lichteinfall, denn wir können nur die Sonne zwischen 14 Uhr und 19 Uhr nutzen. Das klingt nach genug Zeit, tatsächlich wird es aber schnell sehr, sehr knapp.

Am Ende des ersten Tages schmeiße ich mit Schmerzen in meinen untrainierten Bauchmuskeln einen Film auf Netflix an und plötzlich sehe ich ihn mit komplett anderen Augen: Ich sehe jeden der unzähligen Takes, die hinter einem einzigen Schnitt stecken, während der ganze Rest auf dem Editing Room-Boden gelandet ist. Ich empathisiere auf einmal mit den Akteuren wie nie zuvor.

Schauspieler sein ist kein Traumjob. Es ist verdammt harte und betäubende Arbeit. Nach zehn Stunden Filmdreh fühlt sich nicht nur mein beanspruchter Körper wie Matsch an, sondern auch mein Gehirn. Nach fünfzig wiederholten Takes, in denen man nichts anderes bertreibt als Fein-Tuning, um aus zehn guten den einen perfekten Take für den fertigen Film zu finden, kann der Kopf nichts anderes tun, als Leerlauf zu fahren. Und dennoch gilt: Höchste Konzentration! Besonders bei einer so lächerlich kleinen Guerilla-Crew wie unserer muss jeder ein bisschen auf alles achten. Kontinuität, Choreografie, Kamera, Licht und die eigene Gesundheit, denn man führt ja jeden Stunt selbst durch. Vielleicht haben es große Blockbuster allein dadurch viel leichter, dass die Crew zahlenmäßig alle Aufgabenfelder großzügig abdeckt. Das mindert aber unter keinen Umständen die Notwendigkeit stahlharter, erprobter Nerven. Als Darsteller, Cutter, Kameramann und Regisseur.

Man kann selbstverständlich von keinem Filmkritiker verlangen, dass er sich einmal der Pein des Filmemachens ausgesetzt hat, um ein Kunstwerk ehrfürchtiger beurteilen zu können, letztenendes geht es bei der Krtitik hauptsächlich immer noch um die Rezeption. Aber ich empfehle es wärmstens jedem, der einmal einen Film geschaut hat, ihn grausig fand und arrogant behauptet hat, er hätte es besser gemacht.

Und aus diesem Grund gebe ich Alien³ 10/10 Punkten.

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